Pierre Bourdieu hat bei neureichen und bei ärmeren Leuten
ethische und ästhetische Haltungen untersucht und dabei herausgefunden,
daß wohlhabende Parvenus "schlechten Geschmack" in Kunstdingen
bei sich selbst für "unverzeihlich" halten, obwohl der erstrebte
"gute Geschmack" ihrer Ethik widerspricht.

Ihre Ethik heißt 'reich=viel=gut', ästhetisch müssen sie jedoch so tun, als ob ihnen z. B. Minimale Musik, Arte Povera und Theater ohne Worte gefallen.
Ärmere Leute dagegen können das wenige Geld, das sie für Kultur übrig haben, nicht auch noch für "nichts" ausgeben. Ihre Ethik ist die gleiche wie die der Reichen, nur auf der Schattenseite der Skala (arm=wenig=nicht gut), deshalb können sie sich nicht auch noch eine Ästhetik leisten, die ihrer Ethik widersprechen und den Mangel verklären würde.
Bourdieu schlägt daher vor, den ästhetischen Kulturkonsum wieder in den ordinären Kulturkonsum (Essen, Sport, Mode, Frisur) einzugliedern, um der Kunst-Kultur den Heiligenschein zu nehmen und den "fake" zwischen Ethik und Ästhetik zu entlarven.
Ohne ordinären Kulturkonsum gibt es keine ästhetischen Eliten.
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